Mädelsabend! Der Grauen eines jeden Mannes. Nichts bleibt geheim, jede Kleinigkeit muss erzählt werden. Umso länger der Abend, desto mehr Tatsachen werden auf den Tisch gelegt. Und so ein Abend kann bekanntlich verdammt lang sein!

Es war Montag Abend. Wir erhielten eine Rundmail von Zoe, die um eine Krisensitzung bat. Da wir alle wussten, dass Zoe an diesem Abend ihre Internetbekanntschaft zum ersten Mal treffen sollte, waren wir bereits seit Stunden bei mir versammelt und auf das Äußerste gefasst. Nun warteten wir auf Zoe und spekulierten währendessen über den Verlauf ihres Dates. „Ich könnte wetten, er war unglaublich schrecklich und sah nicht mal annähernd so aus wie auf den Bildern“, meinte Line. „Aber dann hätte sie sich nicht erst so spät gemeldet. Immerhin hatte sie nur noch fünf Minuten Zeit bis wir die Notfallanrufe gestartet hätten“, entgegnete ich. „Richtig“, stimmte Jacky zu, „Sie hatte ja auch bestätigt, dass alles in Ordnung sei. Wenn er so schlimm gewesen wäre, dann hätte sie bereits zu Beginn Alarm geschlagen.“ „Weshalb sie dann aber zur Krisensitzung ruft?“, fragte Line und nahm einen Schluck Tee aus ihrer Tasse. „Katastrophaler Sex?“, fragte Jacky in die Runde. Ich schüttelte schmunzelnd den Kopf: „Zoe und Sex am ersten Date? Das war nicht wirklich dein Ernst, Jacky. Vielleicht ist er ja ein extrem mieser Küsser.“ „Reicht das für eine Krisensitzung? Das kann ich mir nicht vorstellen“, entgegnete Line. Jacky nickte und machte sich einen Kaffee: „Ich sehe im Moment wirklich keinen Grund, weshalb Zoe eine Krisensitzung einberuft. Nichts desto trotz möchte ich natürlich wissen, wie das Date gelaufen ist. Weiß jemand von euch was das überhaupt für ein Typ ist?“ „Ich weiß nur, dass er Coke heißt und sie wohl gleich alt sein sollen“, antwortete Line als es an der Tür klingelte.

Jacky stellte Zoe einen Kaffee vor und Line schob ihr die Zigarettenschachtel zu während ich mich an die Küchenzeile lehnte und darauf wartete, dass sie zu berichten begann. „Mädels“, sagte sie, während sie sich eine Zigartette anzündete, „das glaubt ihr mir niemals!“ „Jetzt hau endlich raus: Was ist passiert, Süße?“, drängte Jacky und wippte nervös mit ihrem Fuß. „Ich weiß gar nicht wo ich überhaupt anfangen soll.“ „Am Anfang!“, riefen Jacky, Line und ich gleichzeitig.
„Am Anfang war noch alles cool. Wir haben uns getroffen, sind essen gegangen und schlenderten durch die Stadt während wir uns über alles Mögliche unterhielten“, begann Zoe zu erzählen. „Klar, anfangs fand ich es schon irgendwie merkwürdig, weil wir uns ja nicht kannten und doch irgendwie aufgrund des vorherigen Schreibens. Aber darüber hatten wir ja zuvor schon geredet: Das ist nunmal das Problem mit diesen Internetbekanntschaften. Man vertraut einem wildfremden Menschen aufgrund ein paar Zeilen ohne zu wissen, wer diese wirklich geschrieben hat. Dieses komische Gefühl hat sich dann aber doch recht schnell gelegt, weil er sich halt doch irgendwie als der Mensch rausgestellt hatte, mit dem ich die ganze Zeit geschrieben hatte. Nachdem wir dann einmal durch die gesamte Stadt gelaufen sind, haben wir uns entschieden noch zu ihm zu fahren um einen Film zu gucken.“ Jacky schlägt sich auf den Kopf während Line anfängt zu lachen und ich mit dem Kopf schüttel. „Film gucken“, sagt Line. „Ist klar!“, lacht Jacky, „Soviel zu ,Sex beim ersten Date‘, Steffi.“ „Zoe, nicht im Ernst jetzt?“, fragte ich etwas skeptisch, „So naiv kannst du doch nicht gewesen sein.“ „Sowohl als auch“, antwortete Zoe, „Ich wollte tatsächlich den Film sehen und natürlich habe ich im Hinterkopf noch immer den Massenmörder gehabt, der mich in seinen Keller lockt und mich dann anschließend aufschlitzt, aber ich habe ihm vetraut. Und natürlich war ich nicht so naiv zu glauben, es würde nur beim Film gucken bleiben, deshalb hatte ich Line auch eine Mail geschrieben, dass sie mich bereits eineinhalb Stunden vorher anrufen solle, bevor die Notfallanrufe beginnen sollten.“ Zoe warf Line einen vorwurfsvollen Blick zu. „Ach, Scheiße!“, rief Line entsetzt, „Zoe, Süße, ich hab es voll vergessen. Es tut mir unglaublich leid! Im Ernst!“ „Ich hatte nämlich genau ausgerechnet wann der Film in etwa fertig ist plus eine viertel Stunde blabla. Bis dahin hätte aber noch nichts passiert sein können, maximal ein Kuss und ein bisschen Gefummel und ich hätte abhauen können. Zumindest war das der Plan“, setzte Zoe fort, „Und hätte Line angerufen wäre es auch tatsächlich so gelaufen, denn genau wie ich es berechnet hatte, waren zum vereinbarten Zeitpunkt bereits die ersten Küsse getauscht und suchende Hände auf meinem Körper.“ „Aber warum bist du nicht einfach gegangen, nachdem du gecheckt hast, dass Line nicht anruft?“, fragte Jacky schmunzelnd. „Sieben Monate, Jacky. Der Notstand war bereits seit geraumer Zeit ausgerufen, von daher hat hier einfach nur mein Trieb gehandelt und leider, leider nicht mein Verstand“, antwortete Zoe. „Leider, leider?“, fragte Line vorsichtig. Zoe nickte und schlug sich die Hände vor die Augen: „Ja, leider, leider. Denn wäre ich vorher einfach gegangen, dann wäre es ein netter Filmabend gewesen, mit Aussichten auf mehr. Der Reiz wäre aber natürlich geblieben und ich wäre mir selbst treu geblieben, indem ich eben nicht beim ersten Date mit dem Typen ins Bett springe. Stattdessen mussten wir bis zum Äußersten gehen, was eine riesen Erkenntnis mit sich brachte.“ Zoe stand auf und lief mit ihrer Kaffeetasse in der Küche auf und ab. „Und die Erkenntnis war was?“, fragte ich irritiert und verwundert über Zoes Verhalten.

„Er war sicherlich grotten schlecht. Ich erinnere hierbei gerne an Line und Joe“, entgegnete Jacky mit einem Schubs in Lines Rippen. Line versuchte Jacky einen bösen Blick zuzuwerfen, konnte sich ein Schmunzeln jedoch nicht verkneifen: „Richtig, Jacky, wobei es bekanntermaßen Joe nicht nur an den Techniken fehlte.“ „Ach du Scheiße“, rief Jacky in die Runde, sprang auf und schlug sich eine Hand vor den Mund, während sie mit der anderen auf Zoe zeigte, „Ich hab’s! Die ,riesen‘ Erkenntnis ist gar keine Erkenntnis sondern ein Penis! Na, leck mich am Arsch!“ „Nein! Oh mein Gott! Wirklich Zoe?“, fragte Line entsetzt. Zoe nickte mit dem Kopf und zeigte auf eine kleine Wasserflasche auf dem Fensterbrett. Wir folgten ihrem Finger und sahen ungläubig auf die Flasche. „Zoe, das kannst du nicht ernst meinen“, entgegnete ich entsetzt. Zoe nickte noch immer und schlug sich dann wieder die Hände vor die Augen: „Mädels, wenn euch auf einmal bewusst wird, dass ihr keine Fluchtmöglichkeit habt, weil ihr nicht einmal mehr den Weg von der Haustür bis ins Zimmer wisst, ihr auch überhaupt nicht wisst, wo ihr euch befindet und kein Plan habt, wie ihr aus dieser Nummer lebend rauskommen sollt, genau dann wisst ihr, wie ich mich vor zwei Stunden gefühlt habt.“ „Ach komm, Zoe, du verarschst uns“, lachte Line ungläubig doch jetzt schüttelte Jacky den Kopf: „Nein, Line, ich glaube Zoe meint das wirklich ernst. Ich kenne diese Situation leider selbst zu gut: Du fasst zärtlich in seine Hose, doch was du da findest ähnelt mehr einem Baseballschläger als einem Schwanz, du fühlst noch zweimal nach und nachdem du dir sicher bist, beginnen Schweißausbrüche, Panikanfälle und in deinem Hirn herrscht ein Ausnahmezustand, den du zuvor nicht kanntest.“ Zoe zeigt auf Jacky und nickt: „Ja, richtig, Jacky! Genau das ging bei mir ab. Und die schlimmste Erkenntnis, die ich in diesem Moment hatte war, dass ich das ganze Panik-Ding jetzt irgendwie unter Kontrolle bekommen muss, denn wenn ich nicht nass wie ein Ozean da unten bin, dann kann das nur zu Höllen-Qualen führen.“ „Vor allem musst du jetzt immer nass wie ein Ozean sein“, warf Line in die Runde. „Wer spricht hier von ,immer‘? Nix, immer, Line. Das war es! Ich will mich doch net von einem Prügel in Faustumfang ficken lassen. Im Ernst, Line, das geht nicht!“, sagte Zoe entsetzt und riss die Augen auf. Ich schüttelte verwirrt den Kopf: „Zoe, du kannst doch nicht den Kontakt abbrechen, wegen einem zu großen Penis. Wie willst du das denn erklären?“ „Da muss ich Steffi Recht geben“, sagte Jacky bestimmend, „Vor allem kann ich dir versichern, dass du dich an die Größe gewöhnst.“ „Außerdem magst du ihn doch“, sagte Line, „Es kommt doch nicht nur auf das Körperliche an, sondern auch auf die inneren Werte.“

„Der Mann ist ein Mensch, dem Gott einen Knüppel zwischen die Beine geworfen hat.“ (Hanns-Hermann Kersten) Und je nach Größe beziehungsweise Umfang des Knüppels ist es damit dem Mann möglich die inneren Werte der Frau zu verletzen. Zumindest so oder so ähnlich ist unsere Auffassung großer Penise. „Suche Pferdeschwanz, Frisur egal“ ist somit nur ein unbegründetes Angstdenken der Männer.

Advertisements