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Mädelsabend! Der Grauen eines jeden Mannes.
Nichts bleibt geheim, jede Kleinigkeit muss erzählt werden. Umso länger der Abend, desto mehr Tatsachen werden auf den Tisch gelegt. Und so ein Abend kann bekanntlich verdammt lang sein!

Beauty-Abend bei mir daheim. Während ich Zoe die Haare färbe und Line sich die Nägel lackiert blättern Zoe und Jacky in Zeitschriften und erzählen von den Trends der kommenden Wochen. „Ich bin ehrlich“, sagt Line, „die Farben der kommenden Saison finde ich einfach nur schrecklich. Vor allem passt keine einzige Farbe in meinen Kleiderschrank.“ „Mir geht es auch so. Wenn ich mir die Modevorschläge anschaue, fehlen mir die Worte. Wer bitte zieht sowas eigentlich an?“, fragt Zoe und zeigt ein Laufsteg-Foto in die Runde. Ich schaue mir das Bild an und muss lachen: „Mir ist es recht. So hat mein Konto für die nächste Saison erstmal Zeit sich zu erholen.“ Line lacht und nickt zustimmend: „Da hast du vollkommen recht. Diesmal gibt es keinen Einkaufs-Wahnsinn in überfüllten Kaufhäusern.“ Jacky liest schweigend einen Artikel in ihrer Zeitschrift während Zoe und Line sich weiter über die neuen Fashion-Bilder auslassen. Ich stecke Zoe gerade die Haare fest und stelle die Uhr, damit wir nicht verpassen die Haare auszuwaschen als Jacky kopfschüttelnd zur Zigarettenschachtel greift. „Was ist los?“, frage ich in ihre Richtung. Jacky holt eine Zigarette aus ihrer Packung, zündet sie sich an und schaut mich entrüstet an: „Ich habe schon lange nicht mehr so etwas blödes gelesen!“ „Naja, wirklich tolle Literatur ist das hier alles nicht“, sage ich und zeige auf die Zeitschriften auf dem Tisch, „Es hätte mich jetzt mehr gewundert, wenn du über den Inhalt deiner Zeitschrift von den höchsten Tönen berichtet hättest.“ „Nein, jetzt im Ernst, Steffi, ich habe keine Ahnung was bei der Autorin falsch läuft. Und noch mehr schockiert mich, dass es sogar tatsächlich eine Frau ist, welche diesen Müll schreibt.“ „Um was geht es denn in dem Artikel?“, fragt Zoe und legt ihre Zeitschrift weg. „Um die Vagina und wie wir Frauen darüber sprechen.“ „Hört sich gar nicht mal schlecht an. Was sagt sie denn darüber?“ „Viel!“, antwortet Jacky und läuft zum Kühlschrank um eine Flasche Sekt zu holen, „Und in den ersten fünf Sätzen stimme ich ihr sogar noch zu und dann haut die Frau Statements raus, da fehlen mir einfach die Worte.“ „Statements? Jetzt lass uns mal bitte teilhaben und erzähl‘ uns mal, was sie geschrieben hat“, fordert Zoe Jacky auf.

„Die fängt an, dass wir ja nur komische Namen für unser Geschlechtsteil hätten. Daraus schließt sie aber, dass wir ein zwiegespaltenes Verhältnis zu unserer Vagina hätten. Bitte? Wer sagt das? Nur weil ich keinen Namen habe, habe ich doch kein zwiegespaltenes Verhältnis. Anschließend geht sie auf Aussagen von Promis ein, die Dinge sagten, wie beispielsweise ‚Meine Vagina isst eine ganze Packung Skittles‘ oder die Befürchtung äußerten, dass ein Mann ‚die Kreativität mit dem Rüssel durch die Vulva absaugen könnte‘. Und dass irgendwelche Promis irgendeine Scheiße erzählen, schön, aber deswegen bin ich mit meiner Scheide keine ‚best friends‘ und das ‚it-girl der Stunde‘ ist meine Vagina sicherlich auch nicht. Und darüber bin ich auch heil froh! Nicht weil ich sie nicht mag, aber weil sie sicherlich nicht jeder kennen muss!“, erzählt Jacky aufgebracht, „Darüber hinaus verkündet sie, dass die Vagina zum ‚Politikum‘ geworden ist und ermahnt uns, wenn wir weiterhin so über sie sprechen würden, wir die Männer damit verschrecken werden was schlussendlich dazu führt, dass uns kein Mann mehr ficken will.“

„Ach, Jacky“, fange ich an zu lachen, „das sind doch alles Tratsch-Zeitschriften.“ „Na und? Ich kenne keine Frau, die ständig über ihre Vagina spricht und obendrein nicht in dieser Form. Ihr vielleicht?“, fragt Jacky in die Runde, während sie ihr Glas füllt. Ich schüttel lachend den Kopf und blicke in die Runde. Zoe beginnt ebenfalls zu lachen und Line greift schmunzelnd zu ihrer Schachtel Zigaretten. „Keine Antworten aber dafür großes Gelächter?“, fragt Jacky erneut. Line antwortet amüsiert: „Süße, ich sehe wirklich keine notwendig mich darüber ernsthaft zu unterhalten. Nein, ich kenne keine Frau, die ständig über ihre Vagina spricht und ich bin wirklich froh darüber. Was sollte sie denn die ganze Zeit erzählen. Mir fällt nichts, aber auch wirklich rein gar nichts darüber ein und deswegen verstehe ich auch überhaupt nicht, warum du dich so aufregst.“ „Das kann ich dir erklären“, sagt Jacky schon etwas ruhiger, „Wir alle kennen keine solche Frau und sehen selbst auch keinen Grund darüber zu sprechen aber diese Autorin meint wir reden darüber und wenn wir reden, dann nur absurdes Zeug. Ich sehe darin keinen Funken Wahrheit, dabei hatte ich ihr zu Beginn, als ich anfing den Artikel zu lesen, sogar zugestimmt. Aber meiner Meinung nach reden Männer wesentlich öfter über ihren Schwanz und das oft genug in den absurdesten Momenten.“ „Okay, ich habe das Gefühl, dass du jetzt ernsthaft darüber reden willst, also unterhalten wir uns darüber“, sagt Zoe augenrollend in die Runde, „Wobei hattest du ihr denn zugestimmt?“ „Das wir keinen Namen haben.“ „Keinen Namen für ,sie‘?“, frage ich erstaunt. Jacky nickt und Line ergreift das Wort: „Sorry, aber mir fallen auf Anhieb hunderte Namen ein!“ Zoe und ich nicken zustimmend. „Aber keine schönen Namen. Ich meine, wenn ich ,ihr‘ einen Namen geben muss, dann doch einen schönen und sicherlich nicht ‚Fleischhöhle‘ oder sowas in der Art“, entgegnet Jacky. „Fleischhöhle geht gar nicht!“, rufe ich entsetzt. „Muschi?“, fragt Zoe. „Katze!“, rufen Line und Jacky gleichzeitig. „Fotze?“, frage ich. „Zu ordinär“, antwortet Jacky. „Okay, ich verstehe was du meinst“, sagt Line, „Ich glaube, da haben es die Männer wirklich einfacher.“ „Natürlich, entweder sie sagen Penis oder Schwanz. Tada, so einfach ist das!“, sagt Zoe und nimmt ein Schluck aus ihrem Glas. „Dabei fallen mir noch so viel mehr ’schöne‘ Begriffe für den Mann ein“, lacht Line los. „Riemen!“, ruft Jacky. „Prügel!“, rufe ich. „Fleischpeitsche!“, ruft Line. Wir brechen in schallendes Gelächter aus.

Nachdem wir uns wieder erholt hatten ergreift Zoe das Wort: „Aber jetzt mal zurück zum Thema. Ich gebe dir vollkommen Recht, dass Männer öfter über ihren Penis reden als wir über unsere Vagina.“ „Aber an was liegt das?“, frage ich in die Runde während ich die Gläser wieder auffülle. „Vielleicht, weil sie Namen dafür haben?“, fragt Line. „Nein, das glaube ich nicht“, antwortet Jacky, „Ich glaube eher, dass sie unsere Aufmerksamkeit auf ihren Penis richten wollen.“ „Das wiederrum würde bedeuten, dass sie nur vor uns sooft über ihren Penis reden. Oder meinst du, die reden auch vor anderen Männern darüber?“, frage ich neugierig. Jacky schüttelt mit dem Kopf: „Nur vor uns. Was sollen die denn mit anderen Männern darüber reden? Da beschränkt es sich doch ziemlich auf das Aussehen und die Leistung und da ich vermute, dass viele Männer sich über ihren Penis identifizieren, könnte ja bei so einem Gespräch rauskommen, dass andere Männer besser dran sind als sie selbst. Das will doch kein Mann hören.“ „Oh, das kann ich mir gerade zu gut vorstellen. Naja, bei uns laufen sie da weniger Gefahr. Zudem sie doch meistens die Aufmerksamkeit in den merkwürdigsten Momenten auf ihren Penis richten. Man kann auch einfach in einen Satz Penis einbauen und schwupps, reagiert der Gegenüber irrtiert und muss darüber nachdenken“, sagt Line amüsiert. „Erinnert mich doch stark an das Brunstverhalten im Tierreich: Weibchen beindrucken oder irritieren! Eine Varianten wird schon klappen!“, lache ich. „Das ist es!“, ruft Jacky, „Deswegen reden Männer sooft darüber!“ „Was? Brunstverhalten?“, frage ich während es mich vor lachend schüttelt. „Ja, Steffi, im Ernst jetzt“, antwortet Jacky aufgeregt, „Was machen Tiere? Sie sind triebgesteuert und versuchen ihren Samen bei so vielen Weibchen wie nur möglich zu lassen, während die Weibchen sich lediglich umwerben lassen. Die Männchen umwerben entweder mit ihrer Schönheit oder versuche mit verschiedensten Dingen die Weibchen zu beeindrucken, in dem sie zum Beispiel versuchen die größte Mistkugel zu drehen, einzig und allein um ein Weibchen zu begatten.“ „Und weil sie uns mit solch‘ banalen Dingen wie Mistkugeln nicht ins Bett bekommen können, versuchen die Männer uns mit Schönheit, Geld und Statussymbolen zu beeindrucken. Wenn all‘ dies scheitert gibt es nur noch eine Möglichkeit.“, falle ich Jacky ins Wort. „PENIS!“, rufen die drei Mädels im Chor.

Lustgrotten ähneln Tropfsteinhöhlen und triebgesteuerte Neandertaler sind wir schon lange nicht mehr; Schatzkisten erinnern an Keuschheitsgürtel und die Zeit der Hexenverbrennung ist ebenfalls schon lange vorbei; aus Fleischtaschen macht man Cordon Bleu und wenn Brötchen und Würstchen sich vereinen ergibt das einen Hotdog.
Manchmal braucht es keine Namen um etwas so schönes wie die Geschlechtsteile der Menschen zu beschreiben; Manchmal reicht es aus, sie zu begehren!

(Artikel aus der Zeitschrift: Glamour. Ausgabe: April 2013. S. 262 f. Autorin: Paula Lambert)

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