Mädelsabend! Der Grauen eines jeden Mannes.
Nichts bleibt geheim, jede Kleinigkeit muss erzählt werden. Umso länger der Abend, desto mehr Tatsachen werden auf den Tisch gelegt. Und so ein Abend kann bekanntlich verdammt lang sein!

Pornos zeigen Fantasien, sowohl vom Mann als auch von der Frau, die jedoch in den meisten Fällen weit von der Realität entfernt sind. Trotzdem, oder gerade deswegen, werden sie täglich von der Gesellschaft geschaut und regen nicht nur die Gedanken an. Doch es können sich auch Wünsche entwickeln, die gerne in die Tat umgesetzt werden wollen, für die es jedoch einen geeigneten Partner zu finden gilt.

„Also, ich glaube es macht einen großen Unterschied, wann und wie man seine sexuellen Wünsche äußert“, sagt Line, während sie zum Kühlschrank läuft um uns etwas zum Trinken zu holen. „Nicht nur wann und wie sondern auch wem“, korrigiert Zoe. Jacky zieht eine Augenbraue hoch: „Ach ja? Wem teilt man denn wann und in welcher Form seine Wünsche mit?“ „Definitiv nicht per Kurznachricht!“, antwortet Line, während sie die Gläser füllt. „Line, das war wirklich clever kombiniert“, scherze ich. Line schüttelt den Kopf: „Ich meine das Ernst, Steffi. Meiner Meinung nach, gibt es da Aufklärungsbedarf.“ „Aha?“, Jacky dreht sich zu Line und schaut sie fragend an, „Was bekommst du denn für Nachrichten, die dich so empören?“ Line kramt in ihrer Handtasche nach ihrem Handy und gibt es in die Runde.

„Also, Line, wenn du nochmal sagst, du bekommst keinen ab, schmeiße ich dir dein Handy an den Kopf!“, lacht Jacky, während wir weiter interessiert in ihren Mitteilungen lesen. „Jacky, wenn es doch nur so wäre“, sagt Line und greift nach ihren Zigaretten. Ich gebe ihr Feuer und frage verwirrt: „Willst du mir sagen, dass du mit niemandem dieser Typen geschlafen hast?“ „Richtig, Steffi! Mit niemandem! Sie schreiben mir, sie schicken mir Bilder, aber sie bekommen den Arsch nicht hoch.“ „Aber das verstehe ich nicht“, entgegnet Zoe, „Sie schreiben dir, was sie alles mit dir tun möchten und hin und wieder verabredest du dich anscheinend auch mit ihnen. Was läuft denn schief?“ „Ich weiß es nicht“, Line schüttelt den Kopf.

Während Zoe und Jacky noch immer die Nachrichten durchforsten, spekulieren Line und ich über mögliche Gründe der Sex-Verweigerungen. „Das schöne, an diesen Kurzmitteilungen ist doch, dass man sie verschickt ohne der Person gegenüber treten zu müssen“, sage ich und zünde mir eine Zigarette an. Line füllt erneut unsere Gläser: „Also würde das ein geringes Selbstbewusstsein bedeuten, denn sonst würden sie es nicht nur schreiben sondern auch anrufen oder sich mit mir treffen“, gibt Line an. Ich nicke und nehme einen Schluck Sekt aus meinem Glas. „Aber wenn ich mich in die Situation eines Mannes versetze: Ich verstehe nicht, was ihn daran hindert, sich mit dir zu treffen, wenn es doch offensichtlich nur um das eine geht. Ich gehe doch auch lieber in den Supermarkt ein Steak kaufen statt selbst jagen zu gehen.“ Line zuckt mit den Schultern: „Genau das ist ja die Frage: Warum um himmelswillen schicken sie mir all das inklusive Fotos und Videos, ohne mich auch nur einmal zu treffen? Hätte ich mit all denen geschlafen könnte ich ein wenig Dirty-Talk zum vorglühen für das nächste Mal verstehen.“ „Genau das meinte ich mit: Es ist wichtig wem man seine Wünsche äußert!“, wirft Zoe ein, „Habe ich bereits mit jemandem geschlafen, weiß ich wie wir im Bett harmonieren oder eben nicht. Und dann kann ich für das nächste Mal auch sagen, was ich gerne hätte oder ausprobieren möchte. Aber wenn ich doch noch ie etwas mit dieser Person hatte…“ „Oha!“, Jacky hält erstaunt eine Nachricht in die Runde:

„Würde dir so gerne ins Gesicht spritzen, während du vor mir kniest und deinen Mund erwartungsvoll für mich öffnest“

„Tada“, ruft Line, „Bestes Beispiel! Warum sollte ich das tun, wenn ich sonst auch nix zu erwarten habe?“ „Viel wichtiger ist doch die Frage, warum man überhaupt mit weit aufgerissenem Mund vor einem Mann knien sollte? Was habe ich davon, wenn ich die Soße im Gesicht habe? Ich erinnere mich nur an die gequälten Gesichter der Pornodarstellerinnen, die am Ende eines jeden Pornos die Ladung ins Gesicht geschossen bekommen. Glücklich und befriedigt sieht meiner Meinung nach anders aus“, sage ich kopfschüttelnd während Jacky mit den Schultern zuckt. „Also ich habe es schon gemacht und der Typ fand es geil“, sagt Jacky und zieht an ihrer Zigarette. „Jacky? Fandest du es auch geil?“, fragt Zoe mit aufgerissenen Augen. „Ich habe ihn darum gebeten“, lacht Jacky und amüsiert sich über das entsetzte Gesicht von Zoe. „Okay, magst du es uns bitte kurz erklären, bevor Zoe völlig zerstört eine Therapie aufsuchen muss?“, frage ich Jacky und fange ebenfalls an zu lachen.

„Ich hatte da einen aufgerissen und wusste, dass ich ihn nie wieder sehen würde“, fing Jacky an zu erzählen. Als sie am Ende des Vorspiels angelangt waren, fragte Jacky ihn, ob er ihr ins Gesicht spritzen könnte, wenn er kommt. Sie dachte, wenn in Pornos dies alle Männer mit voller Hingabe tuen, dann müsste ein Mann, der kein Pornodarsteller ist, erst recht darauf abfahren. Gesagt, getan: Er entlud sich mit voller Begeisterung in ihr Gesicht und hat dabei ihr rechtes Auge getroffen. „Mädels ich sag’s euch: Gott sei dank war er dann fertig. Es hat höllisch gebrannt und ich muss ausgesehen haben, wie ein einäugiger Pirat der verzweifelt auf dem Boden kriecht und ein Taschentuch sucht.“ Bei der „Zigarette danach“ hatte er ihr jedoch gesagt, dass es zwar immer ein Wunsch von ihm gewesen war, einmal in das Gesicht einer Frau zu kommen, er sich aber nie getraut hätte, eine Frau diesbezüglich zu fragen. Immerhin sei es die pure Erniedrigung. „Was ich davon hatte, Zoe? Abgesehen von einem geröteten Auge, nichts, außer der Genugtuung, ihm einen Wunsch erfüllt zu haben und das Wissen, dass er mich nicht vergessen wird!“, lacht Jacky.

„Vielleicht ist hier der Knackpunkt“, rufe ich, „Sie offenbaren dir ihre Wünsche und Vorlieben über eine Kurzmitteilung, weil sie sich sonst nicht trauen würde und aus Angst, du könntest die Wünsche nicht teilen, sie vielleicht gar für pervers halten, treffen sie sich nicht mit dir!“ „Und die Bilder?“, fragt Line. „Bestätigung der eigenen Geilheit“, sagt Jacky, „Sie wollen, dass du ihren großen, mächtigen Penis bewunderst und hoffen, dass du ihn begehrst“.

Wenn ihr wollte, dass Frauen mit aufgerissener Klappe vor euch knien, so solltet ihr mit geschlossener Klappe aufrichtig zu eurer Männlichkeit stehen. Wie sonst sollen wir euch für gerade diese Männlichkeit begehren?

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