Mädelsabend! Der Grauen eines jeden Mannes.
Nichts bleibt geheim, jede Kleinigkeit muss erzählt werden. Umso länger der Abend, desto mehr Tatsachen werden auf den Tisch gelegt. Und so ein Abend kann bekanntlich verdammt lang sein!

Jacky und ich sitzen gemütlich bei mir in der Küche und trinken ein Gläschen Sekt während wir uns über Belangloses unterhaltem, als plötzlich mein Handy klingelt. Ich schaue kurz zu Jacky rüber: „Es ist Zoe.“ Sie nickt und als ich den Anruf entgegegen nehme brüllt mir Zoes Stimme entgegen: „Was geht denn bitte ab? So ein Arsch, Steffi!“ Ich reduziere die Lautstärke meines Handys. „Zoe, kannst du mir vielleicht erst einmal verraten um was es eigentlich geht?“ Jacky beobachtet mch erstaunt während ich auf eine Antwort warte. „Steffi? Bist du daheim?“ „Ja, Jacky ist bei mir. Willst du vorbei kommen?“ Zoe zögert kurz bis sie sich schließlich auf den Weg macht.

Während wir auf Zoe warten, grübeln wir darüber, welche Laus ihr wohl diesmal über die Leber gerannt sein mag. „Sie sagte ‚Arsch‘, also muss es ja wohl um einen Mann gehen. Hat sie denn einen Neuen?“, fragt Jacky. Ich sah sie ungläubig an: „Du weißt es nicht? Sie ist mit Simon zusammen. Aber schon bestimmt seit vier Monaten.“ „Der Simon? Warum sagt mit das keiner?“ „Ja, der! Ich dachte, du wüsstest es bereits.“

Jacky hatte Simon vor Jahren auf einer Party aufgegabelt. Nach einem, doch recht kurzen, Techtelmechtel zwischen den beiden, ist er jedoch nicht verschwunden. Er machte regelmäßig mit uns Party und integrierte sich recht schnell als guter Kumpel in unsere Mädels-Truppe. Nun ist er mit Zoe zusammen, worüber keiner von uns wirklich erfreut ist. Immerhin bekommt man nun sowohl Zoe als auch Simn kaum noch zu Gesicht und falls doch ist es alles andere als spaßig, da es jetzt nicht mehr um Party, lustiges Zusammensein und Spaß geht sondern um Eifersucht, Kontrollwahn und die „große Liebe“.

Es klingelt und Zoe steht vor der Tür. Nachdem sie sich gesetzt hat und ebenfalls mit Sekt versorgt ist, schaut sie Jacky fragend an: „Konntest du mir nicht sagen, dass er so eine Null-Nummer ist?“ „Hättest du mir nicht erst Mal erzählen können, dass du mit ihm anbändelst?“ Zoe ist etwas erstaunt und antwortet etwas zurückhaltend: „Wusstest du das mit mir und Simon nicht?“ „Nein, und hätte mir Steffi jetzt nichts gesagt, wüsste ich es in 10 Jahren noch nicht!“ Zoe schaut verlegen in ihr Sektglas während Jacky zur Zigarettenschachtel greift. „Ach, Mädels“, werfe ich in die Runde, „hört doch auf mit den Zickereien. Die letzten Monate waren etwas stressig und wir haben uns alle kaum gesehen. Viel wichtiger ist doch jetzt, dass wir endlich mal wieder zusammen sitzen.“ „Abgesehen von Line“, entgegnet Jacky. „Wo iist die überhaupt?“, fragt Zoe. „Arbeiten“, antworten Jacky und ich fast gleichzeitig und müsen lächeln. Jacky schenkt uns nach und lächelt Zoe an: „Was ist denn jetzt bei dir und Simon los?“ „Das frage ich mich auch!“ „Aber du sagtest was von ‚Null-Nummer‘. Also muss ja was passiert sein“, mische ich mich ins Gespräch. „Stimmt!“, sagt Jacky zustimmend nickend, „Zoe, du fragtest, warum ich dich nicht vorgewarnt habe.“ „Ja, richtig. Irgendwie dachte ich… naja, ich hab einfach etwas anderes erwartet“, stottert Jacky vor sich hin. Jacky und ich tauschen kurz Blicke aus und beobachten Zoe, die mit ihrem Sektglas spielt. Wir zünden uns eine Zigarette an und warten, ob Zoe weiter spricht. Jacky wird ungeduldig: „Zoe?“ „Ja?“ „Willst du uns vielleicht verraten was los ist?“ Zoe schaut uns an und beginnt zu erzählen:

Seit dem Zoe mit Simon zusammen ist, hatte sie keinen richtigen Spaß mehr im Bett. Er kümmert sich schon beim Vorspiel nicht um die nötige Startkapazität, die sie braucht um das ganze auch für sie mit Erfolg abschließen zu können. Und so wie es beginnt, geht es dann auch gerade so weiter – ziemlich erfolglos. Es ist wohl nicht immer das gleiche Schema, doch nach vier Monaten zeigt sich nun doch keinerlei Veränderung, was sie nicht nur zum Nachdenken anregt sondern mittlerweile auch eine ziemliche Wut verursacht.

„Am Anfang dachte ich mir noch, dass er vielleicht etwas vorsichtig ist und mich nicht ‚überfordern‘ will. Aber mittlerweile will ich ihm nur noch ins Gesicht springen.“ „Hast du ihn denn darauf angesprochen?“, frage ich Zoe, während ich aus dem Kühlschrank eine neue Flasche Sekt hole und sie Jacky zum Öffnen hinhalte. „Ja, Steffi, genau das ist docher gerade der Knaller!“ „Verstehe ich jetzt nicht“, entgegnet Jacky. „Ihr müsst euch das so vorstellen: Sobald er fertig ist, steht er auf und zieht sich an. Nachspiel? Was ist das? Und wenn das nicht schon ausreichend wäre, besitzt er auch noch die Dreistigkeit mich zu fragen, ob ich gekommen bin, beziehungsweise, er stellt fest, dass ich nicht gekommen bin.“ „Ich will doch hoffen, dass du zu ihm ehrlich bist, Zoe“, sage ich. „Meinst du, ich will das mein Leben lang ertragen, nur weil er sich, beruhend auf falschen Tatsachen, wie ein König fühlt? Sicherlich nicht. Leider ändert aber auch meine Ehrlichkeit nichts an der Situation. Spätestens, wenn ich von der Toilette zurück komme, sitzt er wie der Pascha vorm Fernseher und ich stehe wie ein Depp da. Das Schlimme daran ist, dass er nicht schlecht ist und es geht mir auch nicht um den ultimativen Höhepunkt…“ „Sondern?“, fragen Jacky und ich gleichzeitig. „Naja, er lässt mich einfach benutzt liegen. Eine Nutte bekommt Geld dafür, und ich?“ „Maus, du bekommst Liebe!“, antworte ich auf Zoes Frage, während Jacky sich erneut eine Zigarette anzündet und sich anschließend zu Zoe wendet: „Du bist viel zu leicht zu haben!“

„Bitte was?“, Zoe ist sichtlich erstaunt über diese Aussage. „Jacky, hier geht es nicht um einen One-Night-Stand. Zoe und Simon sind zusammen. Gehört da Sex nicht zur Selbstverständlichkeit?“, frage ich Jacky leicht irritiert. Jacky lacht: „Willst du gerade sagen, es ist die Pflicht der Frau, ihrem Partner, allzeit bereit, als Matratze zu dienen?“ Jacky wartet amüsiert auf eine Antwort. „Nein, so hatte ich es eigentlich nicht gemeint“, antworte ich und überlege, wie ich meine Aussage richtig formulieren könnte, doch Jacky ergreift bereits das Wort: „Wenn du genau darüber nachdenkst, Steffi, hast du aber nichts anderes gesagt. Un genau hier ist das Problem: Warum ist das Vorspiel nicht ausreichen? Weil Zoe sich überreden lässt. Nicht, dass sie es nicht will, sondern viel mehr, weil er jetzt will und sie sich erst darauf einstellen muss. Und warum macht sie das?“ „Jacky, ich kann nicht mehr folgen“, sagt Zoe etwas verwirrt und greift nach ihrem Glas. „Ich weiß“, lacht Jacky, „denn du hast noch nie darüber nachgedacht. Du hast einfach immer mitgemacht, wenn er wollte. Ist das nicht irgendwie verrückt? Da wollen wir emanzipiert sein, aber zu bestimmen, wann wir Sex wollen, dazu sind wir nicht in der Lage. Und deshalb sage ich, wir sind zu leicht zu haben.“ „Einleuchtend“, stimme ich Jacky zu und auch Zoe nickt. „Das mag die fehlende Mühe und den dadurch resultierenden fehlenden Höhepunkt erklären, aber seit wann lässt man denn eine Frau einfach so benutzt liegen? Zoe hat schon recht, wenn sie sagt, dass es Frauen gibt, die dafür wenigstens bezahlt werden“, sage ich in die Runde und zünde mir eine Zigarette an. „Was ist für dich wertvoller? Etwas, dass du auf der Straße findest oder für das du monatelang sparen musst?“, fragt mich Jacky. „Willst du sagen, Zoe soll sich wertvoller machen?“, frage ich verdutzt zurück. „Obwohl es logisch klingt, wr es doch gerade ziemlich schräg. Ich bin mit ihm zusammen. Sollte ich da nicht wertvoll genug sein?“, fragt jetzt auch Zoe. „Ach, Zoe“, schmunzelt Jacky, „das hat nichts mit Gefühlen zu tun. Männer sind Jäger! Und bequem dazu. Matratzen sind auch bequem während jagen ziemlich anstrengend sein kann.“
Jäger sollten auf ihre Bequemlichkeit achten, denn jeder „Schuss“ ist wertvoll: Auch ein verwundetes Reh kann flüchten!

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