Mädelsabend! Der Grauen eines jeden Mannes.
Nichts bleibt geheim, jede Kleinigkeit muss erzählt werden. Umso länger der Abend, desto mehr Tatsachen werden auf den Tisch gelegt. Und so ein Abend kann bekanntlich verdammt lang sein!

Nach einem anstrengenden und durchzechten Wochenende treffen wir vier Mädels uns bei Zoe daheim um ein bisschen zu plaudern und das Wochenende noch einmal revue passieren zu lassen.

„Mädels, ich hab einen neuen Freund!“, verkündet Jacky lachend. Line antwortet mit voller Begeisterung: „Oh Jacky, das ist ja süß. Wie heißt er denn und wo kommt er her und woher…“ „Line, halt mal die Luft an!“, unterbricht sie Zoe, „Denkst du noch?“ „Wieso sollte ich nicht denken?“ „Zoe hat Recht“, mische ich mich lachend ein. „Im Ernst, Line, du kennst doch Jacky. Wann haben wir sie zu letzt gesehen? Am Wochenende, sturzbetrunken  im Club am Hals von irgendeinem Typen und jetzt erzählt sie, sie hat einen neuen Freund und muss dabei sogar selbst lachen!“ Jacky schüttelt sich schon vor lachen während Line mürrisch eine Zigarette anzündet. „Ja, Jacky, dann sag halt mal!“, brummelt sie und winkt ab. „Richtig“, stimmen Zoe und ich mit ein, „wer ist denn der neue Auserwählte?“ Jacky holt tief Luft und setzt, krampfhaft bemüht nicht in einen erneuten Lachanfall zu verfallen, zu einer Antwort an: „Ihr scheint mich wohl richtig gut zu kennen. Also, Line, zu deinen Fragen: Er heißt ,Wild Rabbit’, wir kennen uns jetzt schon seit einigen Jahren doch in den letzten Tagen haben wir irgendwie festgestellt, dass da mehr zwischen uns ist und wir vielleicht doch mal eine feste, intime Beziehung eingehen sollten. Und ja, ich liebe ihn und wir sind glücklich!“ Nun müssen auch Zoe und ich mit Tränen vor lachen kämpfen. „Ihr seid so blöd“, entgegnet Line. „Haha, jetzt sei doch nicht so“, lacht Zoe, „Und Jacky erklär’ uns mal bitte, was die Männerwelt jetzt schon wieder angestellt hat, dass sie dich soooo verkrault haben. Ich hätte schwören können, dass dies nie passieren wird.“ „Mädels, ich sag euch was. Ich habe ernsthaft keine Lust mehr auf diese Kinderspiele. Dafür bin ich einfach zu alt.“ „Jetzt hast du aber einen Spruch losgelassen. Wie alt bist du? 23? Alles klar, du bist eindeutig zu alt. Ich frage mich, was für Kinderspiele du spielst“, sage ich schmunzelnd und schüttel’ den Kopf. „Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber die Möchtegern-Poser mit ihren aufgesetzten Fassaden gehen mir einfach nur noch auf die Nerven“, antwortet Jacky und schaut erwartungsvoll in die Runde. „Sorry, Jacky, aber das sah am Wochenende noch ganz anders aus und nur weil du die letzten Male vielleicht ein paar Fehlgriffe hattest, musst du doch nicht gleich eine innige Beziehung mit deinem Vibrator eingehen“, sagt Line und schaut nun ebenso erwartungsvoll. Jacky schüttelt nur den Kopf: „Anscheinend versteht ihr mich nicht, aber lasst mich euch aufklären.“

Jacky hatte die letzten Wochen ziemlich über die Stränge geschlagen und hatte jedoch immer öfter die, in ihren Augen, falschen Männer abgeschleppt. Der Letzte war wohl derjenige, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Und wisst ihr, wenn ihr die ganze Zeit das Gefühl habt, ihr besorgt es euch eigentlich selber und ihr fragt euch ernsthaft was der Typ da unter dir eigentlich macht, dann habt ihr den Punkt erreicht, an dem ihr ernsthaft darüber nachdenkt, dass sich was ändern muss. Und der Punkt, an dem ihr euch sicher sein könnt, ist, wenn der Typ euch dann auch noch bittet ihm die Eier zu lecken. Glaubt mir, ich war kurz davor aufzuspringen und ihm ins Gesicht zu brüllen, er solle es sich doch selbst besorgen, immerhin habe ich die letzte halbe Stunde nichts anderes gemacht!“ „Natürlich hast du ihm dann auch zärtlich und genüsslich die Eier geleckt“, entgegnet Zoe und lacht. „Was ich anfange bringe ich auch zu Ende!“, sagt Jacky mürrisch und schenkt sich eine Cola ein.

Line greift erneut zur Zigarettenschachtel und meint: „Ich wäre schon längst gegangen. Dass du so was auch immer bis zum bitteren Ende durchziehen musst. Wenn der Typ zwei gesunde Hände hat und nicht fähig ist, sie zu benutzen, muss er es eben lernen: An sich!“ „Wo du Recht hast“, stimme ich Line zu, „Aber deshalb gleich zum Spielzeug zu greifen und zu sagen, es kommt nix anderes mehr an mich ran was nicht batteriebetrieben ist und summt ist doch etwas übertrieben, meinst du nicht, Jacky? Wir haben doch alle schon unsere miesen Erfahrungen gemacht und ich sag ja nix dagegen, mal selbst Hand anzulegen, aber auf Dauer? Ehrlich, mir wäre das, glaube ich, zu anstrengend.“ „Dir wäre das zu anstrengend? Dich will ich mal sehen, wie du dir gefühlte hundert Jahre den Riss auf einem  Typen gibst, der es nicht mal für nötig hält sich zu beteiligen. Was für eine Anstrengung hast du denn, bitte, bei einem Vibrator, abgesehen vom Ein- und Ausschalten und dem gelegentlichen Batteriewechsel. Irgendwas machst du falsch!“ Jetzt meldet sich auch Zoe wieder zu Wort: „Okay, Jacky, wir akzeptieren deine Beziehung und deinen neuen Partner, immerhin sind wir Freunde. Aber als Freundin muss ich dir auch sagen, dass wir es nett von dir finden würden, wenn du deinen Freund bei unseren Treffen daheim lässt. Ihm fehlen etwas die Tischmanieren!“

Haben wir es nun endlich geschafft, in der Zeit anzukommen, in der die Technologie sogar ins Bett einzieht und selbst sexuelle Kontakte vollständig ablöst? Ich will es noch nicht glauben und habe nun immer noch die Hoffnung auf einen Wandel in der Männerwelt!

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