Mädelsabend! Der Grauen eines jeden Mannes.
Nichts bleibt geheim, jede Kleinigkeit muss erzählt werden. Umso länger der Abend, desto mehr Tatsachen werden auf den Tisch gelegt. Und so ein Abend kann bekanntlich verdammt lang sein!

Nach einem Rundruf von Zoe sitzen nun Jacky, Line, Zoe und ich zusammen beim Frühstück und warten gespannt darauf, was sie zu erzählen hat. „Mädels, nach dem wir die Finanzkrise überwunden haben herrscht nun Männerkrise.“ Wir gucken Zoe verdutzt an. Auch sie ist nun schon seit längerem von ihrem Freund getrennt und hat seit dem mal hier, mal da einen Typ, was aber nie etwas Ernsteres wurde. „Inwiefern herrscht denn eine Männerkrise? Ich sehe jeden Tag mehr Männer, wie dass ich Geld auf dem Konto hätte. Zoe, ich bitte um Erklärung!“, gibt Jacky von sich. Nach einem kurzen Räuspern fängt Zoe an die nun „ausgebrochene“ Männerkrise zu verdeutlichen: „Vor zwei oder drei Wochen hatte ich mal wieder eine kurze Bettgeschichte. Nix Besonderes und auch in keinster Weise erwähnenswert. Dachte ich zumindest, bis heute Morgen. Doch als ich heute Morgen meinen Kaffee getrunken hatte und ein bisschen nachgedacht habe, fiel mir auf, dass es bei den Männern gerade eine tragische Wendung gibt, die uns alle betrifft!“ Ich kann nicht mehr vor lachen und auch Jacky und Line schütteln sich schon. „Will dich denn auch kein Mann mehr durchnehmen?“, frägt Line amüsiert. „Nein, nein, soweit ist es bei mir noch nicht“, entgegnet Zoe und schmunzelt. Sie erklärt uns daraufhin, dass die Männer, die ein Arschloch mit Stil sind, die „Player“, die die Kunst des Spielens beherrschen, vom Aussterben bedroht sind.

„Vom Aussterben also?“, frag ich immer noch lachend. „Also, ich kenne so einige Arschlöcher, falls du Kontakte brauchst“, bringt Line hervor. Zoe schüttelt den Kopf: „Nein ich meine diese Sorte Männer, die als potenzieller One-Night-Stand, eventuell als „Two“-Night-Stand und im besten Fall als „immer-erreichbare-Fick-Nummer“ gelten. Diese Männer, die man für eine Nacht hat, bei Bedarf sich die Handy-Nummer holt, aber genau weiß, diese Nummer ruft man nur im Notstand an. Und man wird auch nur dann angerufen!“ „Ja, Zoe, so sollte es im besten Fall laufen.“ „Richtig, Steffi. Läuft es aber nicht mehr.“ „Wieso? Ich verstehe immer noch nicht genau was das Problem ist und wie es denn anders laufen sollte? Es geht doch nur um Spaß!“, frägt Jacky und beißt in ihr Brötchen.

„Okay, anscheinend bin ich die Erste von uns, der es jetzt wirklich bewusst wird, was hier passiert“, stellt Zoe fest und beginnt den Wandel des Männerverhaltens näher zu erläutern: Sie erzählt also, wie sie diesen Typen kennen gelernt hat, gut gebaut, muskulös. Es musste nicht viel gebaggert werden oder ähnliches, da von Anfang an klar war auf was es hinaus läuft. Doch dann fing er an zu erzählen und sie weiß sein halbes Leben: Wie er aufgewachsen ist, Schule, Ausbildung, Beruf, Freundeskreis, Familie,… Jacky rührt in ihrem Kaffee und schmunzelt: „Ja, und da war sie hin, die so ersehnte schnelle Nummer!“ „Nein, eben nicht“, sagt Zoe und fährt mit ihrer Story fort. Es kam also doch noch zu der so ersehnten schnellen Nummer, wie Jacky es nannte, da Zoe, als sie sich ja schon fast am Ziel sah, nicht aufgeben wollte. Als sie heimfuhr, speicherte sie seine Nummer als absolute „Notfall-Nummer“ ein und dachte nicht weiter darüber nach. „Doch so wie ich die Haustür aufschloss kam die erste SMS. Daraufhin folgten ewig lange Unterhaltungen über Gott und die Welt und irgendwie fand ich es komisch, weil ich ihn ja wirklich nur als One-Night-Stand gesehen habe. Und wie gesagt, falls das Bedürfnis da gewesen wäre vielleicht auch noch für ein zweites Mal.“ „Und er wollte mehr?“, frag ich nun doch mittlerweile interessiert. „Nein, auch nicht. Es machte nicht den Anschein. Doch merkwürdig war es dann schon. Da kommt euch einer entgegen und ihr denkt „Yes! Sieht aus wie ein Assi, fickt bestimmt wie ein Assi und behandelt euch dann aber auch dem entsprechend so.“ Das macht an, da wollen wir Frauen doch mehr von. Aber wenn euch der Typ dann einfach alles erzählt verliert er ja vollkommen an Reiz. Will man ihn sich dann warm halten oder sollte man ihn dann doch lieber einfach vergessen?“

„Zoe? Was ist dann passiert? Schreibt ihr immer noch nett oder was? Oder wart ihr zwischenzeitlich noch mal in der Kiste?“, fragt Line neugierig, während sie sich einen neuen Kaffee bestellt. „Natürlich schreiben die noch“, entgegnet Jacky, „die haben sich bestimmt noch auf einen Kaffee in der Stadt getroffen oder so.“ „Ich sag: Nein, sie schreiben nicht mehr, weil Zoe abgenervt war und der Typ mittlerweile mehr als uninteressant geworden ist“, vermute ich. Zoe fängt an zu lachen und guckt Line an: „Hast du auch eine Vermutung?“ „Irgendwie nicht. ich wäre ja schon froh, wenn ich so einen Mann hätte. Da wäre es mir echt egal, ob der mir das Ohr ab und wieder dran redet. Solange er es mir besorgt, wieso nicht?“ „Line, du musst unbedingt deinen Notstand unter Kontrolle bringen! Unbedingt!!!“, sagt Jacky amüsiert.

„Naja, ich löse mal das Rätsel auf“, schmunzelt Zoe, „es ist nichts von euren Vermutungen.“ „Was?“, fragen nun Jacky und ich gleichzeitig in die Runde. „Ja, er hat nämlich den Kontakt abgebrochen. Und nein, wir haben uns nicht mehr gesehen.“ „Und mit was für Gründen?“, frägt nun Line ungläubig. „Wir Frauen nerven! Naja, und nach lächerlichen Beschimpfungen, die unter die Kategorie: „Gib mir Tiernamen! – Schmetterling – Gib mir böse Tiernamen! – böser Schmetterling“ laufen, musste ich nun entsetzt feststellen, dass irgendwann ein Mann vergessen hat, seinen Kumpels, Nachkommen, was weiß ich, zu sagen, wie man mit einer Frau spielt!“, antwortet Zoe.

„Ich komme darauf gerade gar nicht klar. Wir Frauen nerven? Wieso? Weil wir das tun, was die Männer tun?“, frage ich und schüttel’ den Kopf, „das kann doch nicht sein. Wenn sich jemand mit mir unterhalten möchte, dann unterhalte ich mich mit ihm. Meldet er sich nicht, melde ich mich auch nicht, bis es halt dann doch mal nötig sein sollte. Aber die Schlussfolgerung von ihm ist etwas abstrakt!“ „Hat er denn jetzt jemanden zum unterhalten gesucht? Oder wollte er dich wirklich nur ficken und weiß einfach nicht, wie man mit Frauen umzugehen hat?“, frägt Jacky. „Ich meine, er wollte wirklich nur ficken und wenn das stimmen sollte, waren die Voraussetzungen ja zumindest mal gegeben. Aber wie du schon sagtest, ich vermute auch, dass er einfach nicht weiß, wie man es anstellt. Und irgendwie glaube ich auch, dass es noch viel mehr gibt, die genau so sind.“, antwortet Zoe und guckt in die Runde. „Dabei ist es doch gar nicht so schwer“, sagt Jacky, „Abschleppen, ficken, eventuell noch einen Kaffee trinken aber spätestens dann wegschicken. Bei Interesse noch nach der Handynummer fragen und wenn nicht zuvor schon alles schief gelaufen ist und man mit ein bisschen Feingefühl an die Sache geht, wie z. B. nur bei Bedarf anrufen, dann aber außerordentlich freundlich und trotzdem direkt sein, kann man in den meisten Fällen diese Person als jederzeit abrufbar speichern. Wo ist denn das Problem? Man muss doch nur darauf achten, interessant zu bleiben.“ „Mädels, ob wir solche Männer irgendwie darauf hinweisen sollten?“, frage ich nun etwas skeptisch.

Neue Zeiten bedeuten nicht immer gleich Veränderung und nur weil ihr euch Player nennt, heißt es nicht, dass ihr die Spielregeln kennt. Erst wenn ihr wisst, welche Züge die Dame Schach-Matt setzen, könnt ihr sie jeder Zeit flachlegen, ohne sie zuzutexten.

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